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Volume Heft 3

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 32.1998 (Rights reserved)

THEMEN_____________________________ Erschließung Das Prinzip, nach RSWK und in der auf ihnen basierenden Schlagwortnorm- datei in der Regel die im Deutschen gebräuchlichen Ansetzungen zugrundezu- legen, ergibt sich aus den Benutzerbedürfnissen. Die RSWK sind eben in erster Linie für Benutzer der verschiedenen Bibliothekstypen im deutschspra- chigen Raum geschaffen worden und werden dort angewandt. Mit den fremd- sprachigen Ansetzungen können diese Benutzer meistens einfach nichts an- fangen. Im übrigen: Auch in anderen Ländern wird so verfahren, daß Geogra- phika bei der sachlichen Erschließung in der Landessprache angesetzt wer- den (Beispiele bieten die jeweiligen Nationalbibliographien). In Polen, Tsche- chien, aber auch in Frankreich oder Italien käme, so glaube ich, niemand auf die Idee, Geographika anders als so wiederzugeben. Schließlich ist noch auf das Argument der Ansetzung nach gängigen Nach- schlagewerken einzugehen. Es ist unbestritten, daß eine Normierung notwen- dig ist und daß Meyer und Brockhaus in ihren neuesten Ausgaben grundle- gende Hilfsmittel generell für die Beschlagwortung sind; die in ihnen verzeich- neten Namen von Orten des deutschen Ostens, die dort in deutscher Form stehen, sind auch meistens unproblematisch. Anders ist es mit den dort nicht enthaltenen Namen; hier sollte die deutsche Ansetzung nach zuverlässigen re- gionalen Nachschlagewerken wie beispielsweise dem ,,Ortsnamenverzeichnis der Ortschaften jenseits von Oder und Neiße" oder den verschiedenen Bän- den der ,,Historischen Stätten Deutschlands" (Kröner) erfolgen, auch wenn die Expertengruppe das offenbar anders sieht, weil diese Nachschlagewerke ,,auf die Vergangenheit bezogen" sind. Aber schließlich handelt es sich ja auch zum großen Teil um historische Literatur, die zu bearbeiten ist. Von bibliothekarischer Seite besteht meines Erachtens kein Grund, die bishe- rige Regelung über die Ansetzung von Ortsnamen zu ändern. Es stellt sich die Frage, ob diese Änderung nicht doch aus politischen Motiven vorgenommen worden ist. Meine Forderung ist daher, daß der § 202 der RSWK in der neu gefaßten Form in den deutschen Bibliotheken nicht angewandt, sondern wei- ter nach der alten Regel verfahren wird. Ich hoffe sehr, daß in dieser unerfreulichen Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen ist und die Einsicht um sich greift, daß die Änderung der Regel eine Entscheidung war, die zu revidieren ist. 502 BIBLIOTHEKSDIENST 32. Jg. (1998), H. 3
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