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Volume Heft 2

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 32.1998 (Rights reserved)

THEMEN _______________________________ Beruf sie bezogene Tätigkeit ausübt, deren Zentrum eben nicht das Leiten ist, son- dern die Wissenschaft. Diese Antwort soll im Folgenden in drei Schritten er- läutert werden: Zunächst werde ich kurz auf die Genese des höheren Dienstes eingehen (I), in der die Probleme, mit denen wir heute zu tun haben, bereits angelegt waren (II). Schließlich werde ich begründen, warum eine Erneuerung der Verbindung von bibliothekarischer und wissenschaftlicher Arbeit Sinn macht (III), so daß die nachfolgend abgedruckten zwölf Thesen von Helmut Oehling ihr volles Gewicht entfalten können. I. Die Erfolgsgeschichte des höheren Dienstes Nimmt man ältere Bibliotheksgeschichten zur Hand, dann stellt sich das Pro- blem der Institutionalisierung des bibliothekarischen Berufs recht einfach dar: da es im 19. Jahrhundert an den von Professoren nebenamtlich geleiteten Universitätsbibliotheken zu schweren Mißständen gekommen sei, sei eine Ab- lösung der Professoren- durch Berufsbibliothekare notwendig gewesen, und diese Ablösung sei ab 1894 mit der Einführung einer eigenen Bibliothekslauf- bahn vollzogen worden. Der Einrichtung der Laufbahn ging dabei eine Phase voraus, in der man zunächst mit der Gründung des ,,Zentralblattes für Biblio- thekswesen" (1884) und dem Göttinger Lehrstuhl für ,,Bibliothekshilfswissen- schaften" (1886) den höheren Dienst diskursiv absicherte, um sich danach nur noch darum kümmern zu müssen, daß die solcherart Sozialisierten auch nach außen hin geschlossen auftreten konnten. Dieses Problem löste man mit der Gründung des Vereins Deutscher Bibliothekare (VDB) im Jahre 1900. Da der Beruf aber ,,von oben her" institutionalisiert worden war, tauchte als- bald das Problem der Routinetätigkeiten auf, für die man doch kaum studierte und promovierte Bibliothekare benötigte. Man löste dieses Problem durch die Einführung anderer Laufbahnen, der des gehobenen und später der des mitt- leren Dienstes, bei denen es immer darum ging, Routinen ,,nach unten" abzu- geben und diese Routinen gleichzeitig in einem doppelten Sinne zu professio- nalisieren: sie sachgerecht ausführen zu lassen und dabei diejenigen, die für diese sachgerechte Ausführung sorgten, als feste Laufbahn zu etablieren, indem man den Zugang zum Beruf durch Prüfungen regulierte. II. Die Problemgeschichte des höheren Dienstes Der Erfolg einer Institutionalisierung des bibliothekarischen Berufs kostete freilich einen dreifachen Preis: einen inhaltlichen, einen institutionellen und einen laufbahntechnischen. 242 BIBLIOTHEKSDIENST 32. Jg. (1998), H. 2
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