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Volume Heft 8

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue31.1997 (Rights reserved)

THEMEN _______________________ Betriebsorganisation eher wie der kurze, äußerst scharfe Seitendolch (wakizashi), den sich der zum Harakiri Entschlossene in den Leib stößt. Das KANBAN-System Gemäß der Grundidee der Lean Production wird, wie angedeutet, ausschließ- lich auf konkret vorliegende Bestellaufträge hin produziert. In herkömmlichen Fertigungssystemen dagegen bestimmt nicht der faktische Kundenbedarf, sondern ein zentraler Produktionsplan, dem mehr oder weniger verläßliche Prognosen über das Kundenverhalten zugrundeliegen, die Fertigungsmenge. Eingebaut in derartige Pläne sind in der Regel Sicherheitsreserven für Zuliefer- engpässe sowie Planreserven für Nachfragespitzen. Dieses Verfahren führt, je unsicherer die Annahmen über potentielle Bedarfe sind, zu oft hohen inner- betrieblichen Lagerbeständen von Rohmaterialien, Halbfabrikaten und End- produkten, die wiederum hohe Lager- und Kapitalbindungskosten verursa- chen. Im schlanken Fertigungsprozeß dagegen legt das jeweils vorliegende Bestell- volumen fest, welche Mengen zu welchem Zeitpunkt zu produzieren sind.71 Die für die Endmontage zuständige Produktionsstufe entnimmt dann aus einem Behälter mit Halbfabrikaten die benötigten Teile. Ist der Behälter ge- leert, wird er an die vorgelagerte Fertigungsstufe zurückgeschickt, und zwar unter Beigabe einer KANBAN-Karte (KANBAN = jap. Schild, Karte). Diese vermerkt Nummer und Name der Teile, die Standardfüllmenge des Behälters sowie Herkunft und Adressaten der Teile. Das KANBAN füngiert also als Be- stellauftrag für die vorgelagerte Fertigungsstufe. Diese arbeitet nach dem gleichen Prinzip, das heißt sie entnimmt ebenfalls aus ihrem Teilebehälter die benötigten Materialien und löst per KANBAN bei ihrem Vorgänger einen Be- stellauftrag aus. Dieser Mechanismus einer bedarfsgesteuerten Fertigung setzt sich über alle Produktionsschritte bis zur Beschaffungsabteilung (für Rohmaterial oder zugekaufte Teile) fort. Man sieht, das KANBAN-System führt, konsequent angewendet, zu einer weitgehenden Eliminierung der Lagerbestände. Da die jeweils vorgeordnete Fertigungsstufe erst dann mit der Teileproduktion starten darf, wenn die nachgeordnete Stufe einen konkreten Materialbedarf anmeldet, kommt das System im Idealfall mit einem Zwei-Behälter-Puffer aus: Einem Behälter, der in der Vorstufe gerade nachgefüllt, und einem weiteren, der in der Folgestufe ge- rade geleert wird. Das Kursieren der Behälter bedeutet zudem eine weitge- hende Verstetigung des Materialflusses, der so eine rasche Bedienung des Endkunden gewährleistet (Just in Time). 1504 BIBLIOTHEKSDIENST 31. Jg. (1997), H. 8
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