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Volume Heft 5

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 31.1997 (Rights reserved)

THEMEN ____________________________.-- Ausland unentgeltlich zugänglich. Prinzipien wie allgemeine Zugänglichkeit und maxi- male Befriedigung der Leseinteressen (Lesefreiheit, Freiheit des Informations- austauschs, Pluralismus) waren entweder nur deklariert oder überhaupt nicht anerkannt. In einem offiziell bestätigten Lehrbuch waren die fünf Hauptmerk- male der sowjetischen Bibliothek wie folgt benannt: Vermittler der kommuni- stischen Ideologie; Propagandist der Politik der Kommunistischen Partei; Basis der kommunistischen Erziehung der Werktätigen; Grundlage zur Ver- breitung der Leistungen in Wissenschaft und Technik sowie progressiver Produktionserfahrungen; ideologische und wissenschaftliche Informationsein- richtung. Über viele Jahre orientierte sich der Bestandsaufbau in den Biblio- theken an der Richtlinie, das Leseinteresse zu lenken. Das bedeutete ge- schlossenen Zugang, Zensur im Verlagswesen und in der Literaturauswahl, die Einrichtung von Sonderspeichern mit ideologisch unerwünschter Literatur für einen begrenzten Nutzerkreis, regelmäßige ,,Bestandsbereinigung", d.h. die Aussonderung von Literatur, die nicht der Parteilinie entsprach oder der Feder unliebsamer Autoren entstammte. Die bibliothekarische Ausbildung in der UdSSR erfolgte hauptsächlich an Instituten für Kultur bzw. an Bibliotheksfakültäten oder -abteilungen von Uni- versitäten. Die Ausbildungsdauer betrug 4 Jahre im Direkt- und 5 Jahre im Fernstudium. Die Situation der Bibliotheken nach dem Zerfall der Sowjetunion wird als sehr kompliziert charakterisiert. Die früheren wirtschaftlichen Verbindungen und der Informationsaustausch, die zwischen den Republiken bestanden hatten, wurden unter den jetzt souveränen Staaten nicht fortgesetzt. Die staatliche Finanzierung ist wesentlich reduziert. Auf Grund der Alterung und Zerstörung der materiellen Basis sowie einer mangelhaften technischen Ausstattung haben sich die Arbeitsbedingungen spürbar verschlechtert. Mitarbeiter wan- dern in besser bezahlte Bereiche ab (Bibliothekare stehen an letzter Stelle der Lohntabelle unter den haushaltsfinanzierten Einrichtungen. Im Zuge einer wilden ,,Privatisierung" sind die Bibliotheken gierigen Zugriffen ausgesetzt, besonders wenn es sich um attraktive Gebäude handelt. Infolge akuten Valutamangels, einer chaotischen Situation im Buchwesen und einer ineffektiven Arbeitsweise der Buchkammern haben sich die Bedingun- gen der Erwerbung verschlechtert. Auch ein Schwund von Lesern war zeit- weilig zu verzeichnen. Doch es gibt nicht nur diese Negativbilanz. Trotz teil- weise unzumutbarer Bedingungen kapitulieren die Bibliothekare nicht, son- dern stellen sich den Aufgaben. Sie entwickeln Ideenreichtum, um unter den Bedingungen des Übergangs zur Marktwirtschaft zu überleben, sie suchen nach neuen Ansätzen in der Bibliotheksarbeit. Neue Finanzquellen werden erschlossen, was von der Vermietung von Räumen bis zu bezahlten neuarti- 796 BlBLIOTHEKSDIENST 31. Jg. (1997), H. 5
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