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Volume Heft 5

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue31.1997 (Rights reserved)

Austand ________________________________ THEMEN verbundenen Sachbereiche. Der Bereich Wissenschaft und Bildung verzeich- nete zu diesem Zeitpunkt einen Rückgang der Buchproduktion um die Hälfte gegenüber der Jahresproduktion von 1986. Ins Hintertreffen geriet ebenfalls die Produktion von Nachschlagewerken, populärwissenschaftlicher Literatur, Belletristik und Kinderliteratur. Laut Statistik hat das Leseinteresse der Russen stark nachgelassen. Dieser Ansicht wird in einem kürzlich erschienenen Bei- trag in der Izvestija vehement widersprochen. Die Statistik sei heute realisti- scher, da die angegebene Zahl der gelesenen Bücher nicht mehr die vielbän- digen Sammelbände von Marx, Engels und Lenin sowie der Generalsekretäre einschließt. Der russische Leser bedauert es sehr, daß die Information über Publikationen nur sehr unzureichend fließt. Diese Lücke scheinen zwei Fern- sehkanäle schließen zu wollen, die mit den Sendungen ,,Bücherneuigkeiten" und ,,Büchermagazin" nicht nur Titel, Preis und Liefermöglichkeit nennen, sondern dem Wunsch Rechnung tragen, über literarische Inhalte zu streiten. Auch Herausgeber von Zeitschriften erkennen, daß die Vorstellung von Litera- tur und das Angebot zur Diskussion auf den Seiten ihrer Zeitschrift größere Chancen einräumt, das Interesse der Kunden zu gewinnen. Nach wie vor erfreuen sich die russischen Klassiker Puschkin, Tolstoi, Dostojewski u. a. großen Zuspruchs. Okudsnawa, Jewduschenko und Bella Achmadulina zäh- len weiterhin zu den populärsten Dichtern. Fasil Iskander, Viktor Astafjew, Ljudmila Petruschewskaja werden weiterhin unter den populärsten Prosa- schriftstellern genannt. Der russische Leser weiß es sehr wohl zu schätzen, daß die Bücher von Bulgakow, Mandelstam, Pasternak, Achmatowa und vielen anderen Autoren, die in sowjetischer Zeit teils verboten waren, teils in stark limitierter Auflage erschienen oder ganz gezielt in ferne Gegenden Ruß- lands geliefert wurden, heute nicht mehr ,,besorgt" werden müssen. Sie sind in den Buchhandlungen ohne weiteres zu finden, man muß die Bücher eben nur bezahlen können! Wenn auch die Buchpreise in Rußland vergleichsweise niedrig sind, machen es die niedrigen Einkommen sehr schwer, sich Literatur überhaupt und vor allem die benötigte Fachliteratur privat zu leisten. Es gibt in Rußland ein föderales Programm für die Herausgabe von Büchern. Damit soll die Publikation von Enzyklopädien, Nachschlagewerken, Wissen- schafts-, Unterrichts- und Kinderliteratur nicht nur in Staats-, sondern auch in Privatverlagen gefördert werden. Das Programm ist nach Bereichen struktu- riert und wird von einem Expertenrat kontrolliert. Es bleibt natürlich die Frage, inwieweit angesichts der ständigen Finanzmisere das Programm überhaupt zum Tragen kommt, so daß Engpässe in der Literaturversorgung überwunden und das Überleben der Verlage gesichert werden kann. BIBLIOTHEKSDIENST 31. Jg. (1997), H. 5 791
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