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Volume Heft 4

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 31.1997 (Rights reserved)

Ausland ________________________________ THEMEN an die Grenze von Bosnien und Hercegovina, sondern direkt nach Sarajevo selbst bringen wollte. Außer uns fuhren noch weitere fünf ,,Dienstreisende" mit. Auf dem ,,Autoput" war die Fahrt zügig und problemlos. Bei Zupanja ging es zur Sava, die mit einem Floß überquert werden mußte, das von einem Schleppkahn geschoben wurde. Zuvor mußte man noch quer über ein ehe- maliges Feld, jetzt eine ,,Straße", an Lastwagen vorbei sich zum Fluß ,,durchkämpfen". Dahinter lag die Grenze zu Bosnien und Hercegovina, dahin- ter der etwa 15 km breite serbische Korridor, den der kroatische Fahrer dieser ,,internationalen Reisegesellschaft" am meisten zu fürchten schien. Ein- und Ausfahrt des Korridors erinnerten an den früheren Checkpoint Charly in Berlin, bewacht allerdings von SFOR-Truppen. Nach dessen Durchquerung stillten wir erst einmal unseren Hunger und Durst in einem der noch wenigen offenen Straßenlokale. Nach Überschreitung des Ivan-Gebirges bekamen wir trotz nächtlicher Dunkelheit einen ersten Eindruck, welche Zerstörungen der Krieg in Bosnien angerichtet hat. Als wir tief in der Nacht im stockdunklen Sarajevo bei dem durch Granatsplit- ter stark beschädigten Gewerkschaftshaus anlangten - zur Einsparung wer- den nachts Strom und Wasser abgeschaltet -, zeigte es sich, wie wertvoll sowohl die Orts- und Sprachkenntnisse des Übersetzers der DB Stuttgart als auch die Hilfe der dortigen Stadtgewerkschaft waren. (Die Stadtgewerkschaft spielt nach wie vor eine tragende Rolle bei der Förderung der kulturellen Ein- richtungen der Stadt, wird von den Einrichtungen als Partner verstanden und stellt außerdem ein Bindeglied zwischen Einrichtung und Ministerium dar.) Ab unserer Ankunft übernahm die Stadtgewerkschaft die Organisation unseres Aufenthalts, da es in einer vom Krieg stark zerstörten Stadt doch recht schwierig ist, ein nach den Vorschriften des Reisekostengesetzes bezahlbares Hotel zu finden, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen oder sogar essen zu gehen zu vernünftigen Preisen. Außerdem vermittelte der Sekretär der Stadt- gewerkschaft notwendige Gespräche mit Regierungsvertretern und der Pres- se, um unser Projekt zu fördern. Wir übernachteten im Hotel Park in Vogosca, einem Vorort von Sarajevo, wo früher der ,,Jugo-VW" produziert worden war. Das Hotel war erst vor kurzem wiederhergestellt und eröffnet worden. Auch bei der Abreise gab es das gleiche Spiel wie bei der Anreise. Der Flug nach Zagreb fiel aus, dafür gab es allerdings eine fünfstündige Busfahrt durch das noch stärker als die Hauptstadt zerstörte Gebiet der Hercegovina. Bei Metkovic überschritten wir dann die Grenze nach Kroatien und fuhren an der Adriaküste entlang nach Split, in Kroatien war kaum noch etwas von Zerstö- rungen zu sehen. Von dort konnten wir schließlich mit der Croatia Airlines nach Zagreb fliegen. Allerdings erst am nächsten Tag - wobei sich die Flug- BlBLIOTHEKSDIENST 31. Jg. (1997), H. 4 585
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