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Volume Heft 8/9 Bibliothekarische Öffentlichkeitsarbeit durch Informationsangebote im World Wide Web

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 30.1996 (Rights reserved)

THEMEN ___________________________ Neue Medien wenn ich, um diesen Aufsatz auszuschmücken, ein Zitat aus Goethes Fausf hätte suchen wollen, dann hätte ich zwei Möglichkeiten gehabt: · via Internet: PC anschalten, Windows und Netscape laden (ca. 1 min.); Suche nach dem Werk im Internet (je nach Übung 5 min. oder länger), La- den (ca. 2-5 min.) - das kann also gut eine Viertelstunde dauern; · wenn ich dagegen in den Lesesaal gehe, habe ich den Text sofort (zumal ich die Systematik kenne und weiß, wo das Buch stehen muß). Ergo: ,,Internet ist eine Spielerei für Leute, die zuviel Zeit haben."!? Dieser Satz ist leider nur für Bibliothekare richtig: alle anderen kommen an Texte schneller über das Internet als durch den Gang in eine reale Bibliothek. Zwar ist das Angebot an Literatur im Internet derzeit zum Teil noch dürftig, es wird aber ständig besser: so gibt es z. B. im Bereich des Alt- und Mittelengli- schen mittlerweile Texte, deren Internet-Version besser ist als die gedruckte, weil offensichtliche Schreibfehler sofort korrigiert werden, und zwar von Fachwissenschaftlern.51 Oder, um noch ein Beispiel zu zitieren: der Mitarbeiter eines Ministeriums, der auf konventionellem Weg stundenlang nach dem Österreichischen Universitäts-Organisationsgesetz gesucht hatte, wurde gar nicht unruhig, als der Such- und Ladeprozeß im WWW ein paar Minuten dauerte. Man muß kein Prophet sein - und auch keine Kassandra -, um festzustellen, daß die Benutzung der realen Bibliothek als Informationsquelle mittelfristig abnehmen wird zu Gunsten der Nutzung des Internets. Auf diese Weise wird die Stellung der realen Bibliothek geschwächt werden; sie wird aufhören, das Informationszentrum der Hochschule zu sein. Wenn wir Bibliothekare uns aber nicht ausschließlich als Sammler, Erschließer und An- bieter von Büchern und Zeitschriften verstehen, sondern von Informationen allgemein, dann kann die Bibliothek als reale und als virtuelle auch in Zukunft das Informationszentrum der Hochschule bleiben. Mit anderen Worten: um in der sich verändernden Umwelt überleben zu kön- nen, müssen wir im Internet präsent sein. Natürlich fördert dieses Engage- ment der Bibliothek im Internet die skizzierte Entwertung der realen Bibliothek noch zusätzlich - aber aufhalten läßt sie sich ohnehin nicht. Mit diesem Para- dox müssen wir leben und arbeiten. 2. Arten der Präsenz im Internet Das Informationsangebot sollte übersichtlich, aktuell und nicht mit Graphiken überfrachtet sein. Je mehr Graphiken eine Seite enthält, desto länger dauert die Übertragung, und gerade Studenten und Dozenten, die von zu Hause per 1454 BIBLIOTHEKSDIENST 30. Jg. (1996), H. 8/9
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