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Volume Heft 3 Sorry, no Free Reading! Zur aktuellen Lesekultur in Zimbabwe

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 30.1996 (Rights reserved)

THEMEN ______________________________ Ausland Die meisten Zimbabwer mußten aus unterschiedlichen historischen, politi- schen und sozialen Gründen Bücher und den intellektuellen Diskurs entbeh- ren. Die Minorität, die während der 50er, 60er und 70er Jahre las, importierte persönlich die Bücher, die sie brauchte. Die weiße bürgerliche Schicht pflegte mehr Wert auf sportliche Betätigung als auf das Lesen zu legen, lebte eher in einer geschlossenen als in einer offenen Gesellschaft, war mehr auf Wettbe- werb aus, als daß sie ausgleichend gewirkt hätte und suchte Ablenkung, anstatt nachzudenken. Noch heute, wo Buchhandlungen es sich leisten kön- nen, mehr als Schulbücher anzubieten, bevorzugen diese Bürgerlichen Hoch- glanzprodukte, importierte Restauflagen von Titeln wie ,,Kuchendekorationen für die stolze Hausfrau", oder Bücher für den Touristenmarkt wie z. B. ,,Der Zambezi". Die Vorstellung, daß sich ernsthafte Belletristik und Sachbücher nicht verkaufen, wird so zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Der Staat hat noch nicht begriffen, wie wichtig Bibliotheken für die Entwick- lung eines Landes sind. Die ländliche und arbeitende Bevölkerung kann sich im allgemeinen Bücher nicht leisten, und deshalb sind Bibliotheken wichtig, um die Kenntnisse, die in der Schule erworben wurden, zu erhalten und auf- zubauen. Dennoch bekommt die Nationalbibliothek einen jährlichen Etat von nicht mehr als Z$ 66.000 für die 22 Bezirksbibliotheken und öffentliche Biblio- theken, die ihr unterstellt sind, die kleineren Bibliotheken erhalten ungefähr Z$ 1.500 jährlich, die größeren Bibliotheken wie Harare City erhält jährlich Z$ 7.000. Zimbabwe hat 46 ländliche Bibliotheken, Malawi und Zambia haben im Ver- gleich dazu 400 bzw. 800 Bibliotheken, wobei die Gründung mehr aus einer Privat- als aus staatlicher Initiative hervorgeht. Seit 1980 haben eine Anzahl von Spendern Bücher für (Schul)-Bibliotheken gespendet, British Council und die kanadische Organisation CODE haben sich dabei am stärksten bemüht, auch relevante Literatur zu spenden. Nicht alle Spender sind so weitsichtig, zu erkennen, daß z. B. ,,Kochen mit dem Mikrowellenherd" in einer ländlichen Gegend nicht gerade nützlich ist, wo das jährliche Durchschnittseinkommen bei Z$ 500 liegt. Die importierten Bücher sind auf teurem Papier gedruckt und gebunden, lassen die einheimische Pro- duktion daneben vergleichsweise schäbig aussehen. Doch egal, wie gut der Inhalt sein mag, wenn die beschriebene Realität nichts mit der der Lesenden zu tun hat, wird deren Sinn für das Potential von Literatur unterentwickelt bleiben. Es gibt jedoch in den letzten Jahren einige ermutigende Ansätze, die in der Zukunft vielleicht noch mehr Früchte tragen werden. 426 BIBLIOTHEKSDIENST 30. Jg. (1996), H. 3
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