2. Digitalisat des Monats Juni 2026

José Rizal und Noli me tangere (1887)

Anlässlich des philippinischen Nationalfeiertags am 12. Juni stellen wir ein besonderes Werk aus den Berlin-Sammlungen der ZLB vor: José Rizals Roman Noli me tangere, der 1887 in Berlin erschien.

Der philippinische Schriftsteller, Arzt und Nationalheld José Rizal (1861–1896) zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Reformbewegung gegen die spanische Kolonialherrschaft auf den Philippinen. Während seines Aufenthalts in Europa verfasste er seinen Roman Noli me tangere, der zu einem Schlüsselwerk der philippinischen Literatur und Nationalbewegung wurde.

Das Werk schildert die gesellschaftlichen und politischen Missstände im kolonialen Philippinen des 19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht der junge, idealistische Intellektuelle Crisostomo Ibarra, der nach mehreren Jahren im Ausland in seine Heimat zurückkehrt. Dort wird er mit der Willkür der spanischen Kolonialverwaltung, dem Machtmissbrauch kirchlicher Autoritäten und tief verwurzelten sozialen Ungerechtigkeiten konfrontiert. Aus seinen Erfahrungen heraus entwickelt sich Ibarra zunehmend zu einem Kritiker des bestehenden Systems – eine Wandlung, die Rizal mit großer psychologischer Tiefe und gesellschaftlichem Gespür erzählt.

Noli me tangere (lateinisch: „Rühre mich nicht an“) verband auf neuartige Weise erzählerische Kunst mit politischer Anklage. Der Roman prangerte Korruption, Machtmissbrauch und soziale Ungleichheit an und weckte in vielen Leserinnen und Lesern erstmals ein nationales Bewusstsein.

Das Werk wurde von den Kolonialbehörden als subversiv eingestuft und in den Philippinen verboten, verbreitete sich aber rasch im Untergrund. Zusammen mit der Fortsetzung El filibusterismo (1891) bildete es die geistige Grundlage der späteren Unabhängigkeitsbewegung.

Rizal wurde 1896 aufgrund seines politischen Engagements hingerichtet und gilt heute als ein Symbol für Aufklärung, nationale Identität und gewaltfreien Widerstand. 

In den Berlin-Sammlungen der ZLB befindet sich eine Erstausgabe des Romans „Noli Me Tangere“ (1887), welche mit einer handschriftlichen Widmung des Autors José Rizal (1861-1896) an den Forschungsreisenden Andreas Fedor Jagor (1816-1900) versehen ist. Dieses in den Philippinen als nationales Kulturgut geltende Buch schlummerte in den Berlin-Sammlungen der ZLB, bevor es nun durch die Digitalisierung für eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte.

José Rizal: Noli me tángere. Novela Tagala. Berliner-Buchdruckerei-Actien-Gesellschaft, Berlin [1887]. Digitalisiert durch die Zentral- und Landesbibliothek Berlin 2026. URN: https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15528895. (Exemplar mit handgeschriebener Widmung des Autors an Fedor Jagor)

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Bei der sprachlichen Bearbeitung kam ein KI-gestütztes Schreibwerkzeug (ChatGPT) zum Einsatz.

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